Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin
 Universitätsmedizin Leipzig

Peptidvermittelte Radiorezeptortherapie (PRRT)

Was ist eine PRRT?
Kommt diese Therapie für mich in Frage?
Wie wird die PRRT durchgeführt?
Was gibt es für Besonderheiten?

Was ist eine PRRT?

Neuroendokrine Tumore (NET) sind meist langsam wachsende Tumore, welche häufig Hormone (z. B. Serotonin) bilden. Dadurch kann es zu Symptomen wie Durchfall, erhöhtem Blutdruck oder anfallsartiger Hautrötung (Flush-Symptomatik) kommen. Neben der (nicht immer möglichen) operativen Entfernung des Tumorgewebes stehen seit einigen Jahren weitere Therapiemöglichkeiten zur Behandlung dieser Tumore zur Verfügung. Das Medikament „Sandostatin", welches sich an die auf Karzinoidzellen typischerweise vorhandenen Somatostatinrezeptoren („Haftstellen") bindet, kann zu einer Verminderung der Hormonsekretion und damit Linderung der Beschwerden sowie zu einer Verlangsamung des Tumorwachstums führen, nicht aber zur Heilung. Für die Peptid-Rezeptor vermittelte Radionuklid-Therapie (PRRT) wird ein radioaktiv markierter Abkömmling des körpereigenen Somatostatins (z. B. 90Yttrium-markiertes DOTATOC) verwendet. Diese Therapie wird seit einigen Jahren bei Patienten mit metastasierten neuroendokrinen Tumoren durchgeführt, welche trotz operativer und/oder medikamentöser Therapien ein Fortschreiten der Erkrankung zeigen. Das über die Armvene als Infusion verabreichte radioaktive Medikament bindet an die Somatostatinrezeptoren der Tumorzellen. Diese werden durch die radioaktive Strahlung mit kurzer Reichweite (nur wenige Millimeter) unter Schonung des umgebenden gesunden Gewebes geschädigt, sterben ab bzw. werden am Wachstum gehindert. Ziel dieser Therapie ist die Verminderung des Tumorgewebes, mindestens jedoch eine Wachstumsverzögerung der Tumorherde und Verbesserung der Lebensqualität („palliative Therapie").

Kommt diese Therapie für mich in Frage?

Um zu ermitteln, ob diese Therapie bei Ihrer Erkrankungssituation geeignet ist, müssen ambulante Voruntersuchungen durchgeführt werden. Voraussetzung zur Therapieplanung ist u. a. der Nachweis eines ausreichenden Somatostatin-Rezeptor-Besatzes der Tumorherde. Dies erfolgt mittels einer kombinierten bildgebenden Diagnostik zur Darstellung der Somatostatin-Rezeptoren, der sogenannten PET-CT. Neben der üblichen Labordiagnostik (u. a. Blutbildkontrolle) erfolgt zudem noch eine Untersuchung der Nierenfunktion mittels nuklearmedizinischer Verfahren, da neben einer ausreichenden Knochenmarkreserve eine gute Nierenfunktion eine weitere wichtige Voraussetzung zur Durchführung der Therapie ist.

Wie wird die PRRT durchgeführt?

Im Rahmen der Therapievorbereitung müssen Somatostatin-ähnliche Medikamente (z. B. Sandostatin Depotpräparate) für mindestens 4-6 Wochen vor geplanter PRRT abgesetzt werden um die Wirkung der Radiopeptidtherapie nicht zu beeinflussen. Für die Durchführung der PRRT ist in der Regel ein stationärer Aufenthalt von ca. 3-4 Tagen notwendig. In dieser Zeit dürfen sie als Patient aus Strahlenschutzgründen die Station nicht verlassen und keinen Besuch empfangen.
Zirka 1 Stunde vor Beginn der eigentlichen Therapie wird Ihnen eine Aminosäurelösung als Infusion verabreicht um die Nieren vor einer verstärkten Aufnahme des radioaktiven Therapiemedikaments zu schützen. Das eigentliche Therapeutikum (z. B. 90Yttrium-DOTATOC) wird Ihnen über eine Venenverweilkanüle als Infusion über ca. 10 Minuten verabreicht. Während der Therapie werden regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt. Im Rahmen Ihres Aufenthaltes auf der Therapiestation werden nach bestimmten Zeitabständen Ganzkörperaufnahmen (Szintigraphien) zur Dokumentation der Verteilung und der Ausscheidung der radioaktiven Substanz sowie zur Abschätzung der erreichten Bestrahlungsintensität im Tumorgewebe sowie in den Körperorganen durchgeführt.
Im Allgemeinen wird die Therapie ohne wesentliche Nebenwirkungen gut toleriert. Selten kann es vorübergehend zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie zu abdominellen Beschwerden kommen. Sehr selten kann es durch eine verstärkte Hormonausschüttung zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Flush-Symptomatik kommen. Ebenso sind mittelfristig Veränderungen des Blutbildes und eine Abnahme de Nierenfunktion möglich.

Was gibt es für Besonderheiten?

Das Therapie-Ergebnis wird nach einem gewissen Zeitabstand (ca. 3 Monate) mittels Bildgebung (PET-CT) und Laboruntersuchungen (Tumormarker) überprüft. Zwischenzeitlich erfolgen die Betreuung und die engmaschige Kontrolle des Blutbildes und der Nierenwerte bei Ihrem behandelnden Onkologen bzw. Ihrem Hausarzt. In Abhängigkeit von der Verträglichkeit und der erreichten Wirkung wird die Radiopeptidtherapie in der Regel wiederholt angewendet.



 
Letzte Änderung: 02.04.2015, 13:59 Uhr
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