Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin
 Universitätsmedizin Leipzig

Untersuchungsinformationen zu neuronuklearmedizinischen SPECT-Untersuchungen

Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit I-123-FP-CIT (DaTSCAN)
Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit I-123-IBZM
Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit I-123 AMT (I-123 Alphamethyltyrosin)
Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit TC-99m ECD (Tc-99m Ethylcysteinat)

Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit I-123-FP-CIT (DaTSCAN)

Weitere Informationen zu Indikationen und Untersuchungsvorbereitung

Mit I-123 DaTSCAN (I-123-FP-CIT) kann das dopaminerge nigrostriatale System mittels SPECT visualisiert und semiquantitativ erfasst werden. Die Substanz ermöglicht eine Darstellung der präsynaptischen Dopamintransporter im Corpus striatum, deren Dichte als Marker für die Integrität des nigrostriatalen Systems gilt.

Die Parkinson-Erkrankung und die Demenz vom Lewy-Körperchen-Typ (sowie andere Erkrankungen der Basalganglien wie die Multisystematrophie oder die supranukleäre Blicklähmung) gehen mit einem Verlust der striatalen dopaminergen Nervenendigungen einher, Erkrankungen wie der essentielle Tremor, das psychogene oder das durch Arzneimittel-induzierte Parkinson-Syndrom hingegen nicht. Letztere weisen damit also keine verminderte Bindung von I-123 FP-CIT im Gehirn auf, so dass mit Hilfe der I-123-FP-CIT SPECT eine Unterscheidung neurodegenerativer Erkrankungen von nicht-neurodegenerativen Erkrankungen mit Parkinson-Syndrom möglich ist. Neue Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass sich auch eine Demenz vom Lewy-Körperchen-Typ und eine Alzheimer-Erkrankung, bei der die I-123-FP-CIT in der Regel normal ist, unterscheiden helfen lassen.

Die Untersuchung dient der Unterscheidung zwischen einer Parkinson-Erkrankung, die mit einer Abnahme des Botenstoffes Dopamin und Erkrankungen, die Parkinsonähnliche Beschwerden hervorrufen können, jedoch nicht mit einer Verminderung des Dopamins im Gehirn einhergehen.

I-123-FP-CIT Plus Symbol
Links das Bild eines Patienten mit essentiellem Tremor (keine Reduktion der Verfügbarkeit von Dopamintransportern), rechts eines Patienten mit einer rechtsbetonten, tremordominanten Parkinson-Krankheit (mit beidseitiger, links stärker ausgeprägter Reduktion der Dopamintransporter).

Untersuchungsablauf
Das I-123 FP-CIT wird in die Armvene injiziert. Ca. 20 Minuten vorher erfolgt die Gabe von 100 mg Perchlorat intravenös, welches eine Anreicherung des Medikaments in der Schilddrüse blockiert. Nach einer Wartezeit von 3 Stunden werden Messungen mit einer speziell für Aufnahmen des Gehirns entwickelten SPECT-Kamera durchgeführt, die 35 Minuten dauern.
Die Untersuchung dauert insgesamt ca. 5 Stunden.

Verträglichkeit der Untersuchung
Die Untersuchung ist sehr gut verträglich. In ganz seltenen Fällen wird über örtliche Schmerzen an der Einstichstelle berichtet, gelegentlich über einen "bitteren Geschmack". Andere Nebenwirkungen wurden beschrieben, sind in unserem sehr großen Patientenkollektiv bisher jedoch nicht aufgetreten. Wie jedes nuklearmedizinische Verfahren ist auch die I-123-FP-CIT SPECT mit einer gewissen Strahlenexposition verbunden. Bei Verwendung der üblichen Aktivitätsmenge (185 MBq) beträgt die effektive Dosis 4.4 mSv. Das entspricht in etwa der doppelten natürlichen Strahlenexposition in Deutschland (im Durchschnitt 2.1 mSv pro Jahr). Dieses Risiko ist in Anbetracht des Nutzens der Untersuchung vernachlässigbar.

Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit I-123-IBZM

Weitere Informationen zu Indikationen und Untersuchungsvorbereitung

Mit I-123 IBZM wird der postsynaptische Teil, des dopaminergen Systems, die Dopamin-(D2/3-) Rezeptoren, im Striatum mittels SPECT untersucht. Verschiedene Basalganglienerkrankungen wie die Multisystematrophie, die progressive supranukleäre Blickparese führen im Gegensatz zu der Parkinson-Erkrankung - hier liegt im Regelfall eine normale bis (kompensatorisch) erhöhte Bindung vor - zu einer Abnahme der Rezeptorbindungskapazität, so dass sich diese neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden lassen. Auch bei einem durch Arzneimittel-Induzierten Parkinson-Syndrom ist die Bindung von I-123-IBZM vermindert.

Diese Untersuchung dient also dazu, den eigentlichen (oder typischen) Morbus Parkinson, bei denen zunächst allein die Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn abnehmen, von anderen Erkrankungen, bei denen die Dopamin-produzierenden Zellen des Gehirns und die Rezeptoren abnehmen zu unterscheiden.
I-123-IBZM Plus Symbol

Links das Bild eines IBZM-Normalbefundes (normale Verfügbarkeit der Dopaminrezeptoren), rechts das Bild einer verminderten Rezeptorverfügbarkeit (z.B. bei einer Multisystematrophie)

Untersuchungsablauf
Das I-123 IBZM wird in die Armvene injiziert. Ca. 20 Minuten vorher erfolgt die Gabe von 100 mg Perchlorat, damit das I-123 IBZM nicht in die Schilddrüse aufgenommen wird. Nach einer Wartezeit von weiteren 2 Stunden werden Messungen mit einer speziell für Aufnahmen des Gehirns entwickelten SPECT-Kamera durchgeführt, die 35 Minuten dauern.
Die Untersuchung dauert insgesamt ca. 4 Stunden.

Verträglichkeit der Untersuchung
Die Untersuchung ist sehr gut verträglich. In ganz seltenen Fällen wird über örtliche Schmerzen an der Einstichstelle berichtet, gelegentlich über einen "bitteren Geschmack". Andere Nebenwirkungen wurden beschrieben, sind in unserem sehr großen Patientenkollektiv bisher jedoch nicht aufgetreten. Wie jedes nuklearmedizinische Verfahren ist auch die I-123-IBZM SPECT mit einer gewissen Strahlenexposition verbunden. Bei Verwendung der üblichen Aktivitätsmenge (185 MBq) beträgt die effektive Dosis 6,29 mSv. Das entspricht in etwa der dreifachen natürlichen Strahlenexposition in Deutschland (im Durchschnitt 2.1 mSv pro Jahr). Dieses Risiko ist in Anbetracht des Nutzens der Untersuchung vernachlässigbar.

Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit I-123 AMT (I-123 Alphamethyltyrosin)

Weitere Informationen zu Indikationen und Untersuchungsvorbereitung

Mit I-123 Alphamethyltyrosin (IMT) lässt sich der Aminosäuretransport im Gehirn mittels SPECT erfassen. Tumoren des Gehirns, insbesonders höhergradige, weisen häufig einen erhöhten Aminosäuretransport auf, während gesundes Gehirngewebe vorwiegend Glukose und wenig Aminosäuren verstoffwechselt. Nach Operation bzw. Bestrahlung von Hirntumoren finden sich in der Kernspintomographie Veränderungen, bei denen nicht sicher zwischen Narbengewebe oder erneutem Tumorwachstum unterschieden werden kann. So kann mit I-123 IMT gesundes Gehirngewebe bzw. Narbengewebe nach Operation oder Bestrahlung von Gehirntumoren abgegrenzt werden, da sich im Tumorgewebe eine intensivere Anreicherung von I-123 IMT findet.

Die Untersuchung dient somit einer Unterscheidung zwischen (erneut gewachsenem) Tumorgewebe und Narbengewebe nach Operation bzw. Bestrahlung von Hirntumoren.

I-123-AMT Plus Symbol
Die Bilder zeigen ein Gehirntumorrediziv mit einem deutlich vermehrten Aminosäurestoffwechsel (rechts) bei unauffälligem Glukosestoffwechsel (FDG-PET Untersuchung links

Untersuchungsablauf
Das I-123 IMT wird in die Armvene injiziert. Ca. 20 Minuten vorher erfolgt die Gabe von 100 mg Perchlorat intravenös zur Schilddrüsenblockade. Nach einer Wartezeit von weiteren 20 Minuten werden Messungen mit einer speziell für Aufnahmen des Gehirns entwickelten SPECT-Kamera durchgeführt, die 35 Minuten dauern.
Die Untersuchung dauert insgesamt ca. 2 Stunden.

Szintigraphische Untersuchung des Gehirns mit TC-99m ECD (Tc-99m Ethylcysteinat)

Weitere Informationen zu Indikationen und Untersuchungsvorbereitung

Durch eine ECD-Untersuchung lassen sich Gehirnareale darstellen, die im Vergleich zum restlichen Gewebe eine veränderte (verminderte) Durchblutung aufweisen.

Mittels Tc-99m ECD und SPECT wird der regionale zerebralen Blutfluss (Perfusion, Gehirndurchblutung) und damit gekoppelt der regionale zerebrale Metabolismus / die Struktur-Integrität dargestellt. Verschiedene Erkrankungen wie Demenzen, Epilepsien, der Schlaganfall/Hirninfarkt und die Gefäßsklerose, aber auch die zerebralen Gefäßentzündungen) führen zu regional (teils charakteristischen) verminderter Durchblutung (oder unmittelbar im Anfall gesteigerten Perfusion), die sich mit Tc-99m ECD markieren lässt.

TC-99m-ECD Plus Symbol Die Abbildungen zeigen Durchblutungsstörungen des Gehirns in unterschiedlicher Ausdehnung Die Untersuchung kann unter Ruhebedingung und unter pharmakologischer Stimulation zur Analyse der Perfusionsreserve durchgeführt werden. Hierzu wird Carbogengas inhaliert, oder alternativ, der Karboanhydrasehemmer Diamox® (Acetazolamid) intravenös appliziert. Beides bewirkt eine Erweiterung der gesunden Gehirngefäße. Atherosklerotisch veränderte bzw. verengte Gefäße können sich im Verhältnis dazu deutlich weniger erweitern. Das resultierende (relative) Durchblutungsdefizit in den Gehirnarealen, die von den erkrankten Gefäßen versorgt werden, lässt sich so mit Tc-99m ECD SPECT nachweisen.

Untersuchungsablauf
Das Tc-99m-ECD wird unter Ruhebedingungen (verdunkelter Raum, leicht geöffnete Augen, 15 min ruhig liegen) intravenös injiziert. Nach einer Wartezeit von 30 Minuten werden Messungen mit einer speziell für Aufnahmen des Gehirns entwickelten SPECT-Kamera durchgeführt, die 35 Minuten dauern.

Bei der Untersuchung mit Carbogengas wird, etwa 2 Minuten vor Gabe des Radiotracers beginnend bis etwa 2 Minuten nach Radiotracer-Injektion, eine mit CO2-angereicherte Luft über ein geschlossenes System inhaliert; dabei wird CO2-Partialdruck gemessen. Alternativ: Bei der Untersuchung mit Diamox erfolgt 15 min vor Applikation des Tc-99m-ECD die Gabe von 1g Acetazolamid (Diamox) in eine Armvene.

Die Untersuchung dauert insgesamt ca. 2 Stunden.

 
Letzte Änderung: 09.08.2013, 08:51 Uhr
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