Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin
 Universitätsmedizin Leipzig

Lymphabfluss-Szintigraphie

Sentinel Lymph Node (SLN)
In-transit Lymphknoten (ILN)
Ziele der Lymphabfluss-Szintigraphie
Untersuchungsablauf
Beispiel

Die Wächterlymphknoten-Entfernung (SLNE) hat ihren Ursprung in der Diagnostik von Peniskarzinomen. Sie wurde bald auf andere Tumore, die sich vorrangig über das Lymphsystem ausbreiten bzw. absiedeln übertragen. So erfolgt in Deutschland derzeit ein routinemäßiger Einsatz dieser Methode beim Mammakarzinom, malignen Melanom der Haut, malignen Tumoren im Mund-, Kiefer- und Gesichts- Bereich sowie beim Prostatakarzinom.
Um den Wächterlymphknoten (engl. Sentinel lymph node = SLN) ausfindig zu machen, wird in Deutschland stan-dardmäßig das nuklearmedizinische Verfahren der Lymphabfluss-Szintigraphie eingesetzt.

Sentinel Lymph Node (SLN)

Der Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten, der im Abflussgebiet eines Tumors liegt und über eine eige-ne Lymphbahn verfügt. Weil der Lymphabfluss variable und damit oft nicht vorhersagbar ist, muss bei jedem Patienten die individuelle Lage des SLN mittels Lymphabfluss-Szintigraphie dargestellt werden (Harris et al. 1995; Uren et al. 2003). Die Entfernung des SLN erfolgt meist im Rahmen der Tumoroperation oder einer Nach-resektion des Tumors mit Vergrößerung des Sicherheitsabstandes. Nach der Entfernung wird der SLN durch die Pathologen untersucht unter der Fragestellung eines Befalles durch abgesiedelte Tumorzellen. Der Nicht-Befall bzw. Befall des SLN durch abgesiedelte Tumorzellen dient als Wegweiser, ob eine Absiedlung des Tumors über die Lymphbahnen bereits erfolgt ist oder nicht. Diese Aussage ist für die weitere Therapie entscheidend.
Der individuelle Nutzen für den Patienten ergibt sich aus der Reduktion der operativ zu entfernenden Lymphkno-ten. Gegenüber der konventionellen Lymphadenektomie (Entfernung sämtlicher möglicherweise befallener Lymphknoten) ist außerdem eine wesentlich aufwendigere histologische Untersuchung von wenigen SLN möglich (z.B. Serienschnitte, Immunhistochemie).

In-transit Lymphknoten (ILN)

In-transit Lymphknoten zeichnet aus, dass sie sich in der Frühaufnahme wie SLN darstellen, aber ihre Signale bei Spätaufnahmen nicht mehr nachweisbar sind. Das zweite Charakteristikum der ILN ist ihre Lokalisation irgendwo zwischen Primum und drainierter LK-Region. Sie können sowohl parallel als auch in Serie zur primären Lymphabflussregion mit dem SLN geschaltet sein (Thelmo et al. 2001). ILN treten gehäuft am Körperstamm auf (Uren et al. 2003). Weil sich in-transit Lymphknoten in den Spätaufnahmen nicht mehr nachweisen lassen, im Gegensatz zum SLN, wird davon ausgegangen, dass Tumorzellen in gleicher Weise wie das Radiopharmakon den ILN passieren und erst auf der Ebene des SLN zurückgehalten werden. Deswegen wird der SLN als Indikator für eine lymphogene Aussaat des Tumors untersucht und in der Regel nicht die in-transit LK.

Ziele der Lymphabfluss-Szintigraphie

  • Darstellung der individuellen Lymphabflussgefäße aus der Tumorregion
  • Identifikation aller vom Tumor abführenden Lymphabflussbahnen
  • Identifikation von in-transit LK (ILN)
  • Feststellung der Anzahl an Sentinel Lymph Nodes und deren Lokalisation
  • Abgrenzung der SLN von anderen Lymphknoten der jeweiligen Lymphknotenregion

Untersuchungsablauf

Die Applikation des Radiopharmakons erfolgt in oder unter die Haut (je nach Tumorart). Die beim Transport bis in die Lymphknoten emittierte Strahlung erkennt man in der Frühaufnahmeserie der Lymphabfluss-Szintigramme. Die Partikel werden aufgrund ihrer Größe im Lymphknoten zurückgehalten.
Die Anreicherung des Tracers erfolgt besonders im SLN, der als erster LK in den Szintigrammen sichtbar wird. Die Partikel des radioaktiven Tracers zerfallen entsprechend ihrer Halbwertszeit. Zur Lymphabfluss-Szintigraphie wird 99m Technetium-Nanokolloid mit einer Radioaktivitätskonzentration von 80-250 MBq (je nach Tumorart) eingesetzt.
In Abhängigkeit von Narben- bzw. Tumorgröße werden 4 bis 12 Aktivitätsdepots angelegt. Dabei wird ein Sicher-heitsabstand von = 1 cm zwischen Tumor-/Narbenrand und Injektionsstelle eingehalten, da anderenfalls die exakte Zuordnung des SLN zum Tumorgebiet unsicher wird.

Da das Radiopharmakon einem raschen Abfluss vom Applikationsort unterliegt, erfolgten sofort nach der Injektion Frühaufnahmen (Abb. 1 und 2) an einer Doppelkopfkamera . Spätaufnahmen werden 15-20 Stunden nach der Injektion des Radiopharmakons (in der Regel am OP-Tag) angefertigt (Abb. 3 und 4). Die Spätaufnahmen dienen zur Bestätigung des SLN, zur Identifikation von ILN und zur Klärung der Lageverhält-nisse des SLN. Anschließend wird das unter Haut gelegene Aktivitätsmaximum (SLN) mit Hilfe einer Gamma-Handsonde detektiert und die entsprechende Hautstelle mittels eines wasserfesten Stiftes markiert.

Beispiel

Lymphabfluss-Szintigraphie eines Melanoms am oberen Rücken mittig

Die beiden statischen Aufnahme (Abb. 1 und 2) erfolgten 30 min nach der Injektion im Anschluss an die dynamische Aufnahmeserie:

lymph_1 Plus Symbol Abb. 1 von vorne
lymph_2 Plus Symbol Abb. 2 von der Seite rechts

Es stellen sich die Region um den voroperierten Primärtumor (1), ein SLN oberhalb des Schlüsselbeines (2) und ein SLN in der rechten Achselhöhle (3) dar.

Die beiden statischen Spätaufnahmen (Abb. 3 und 4) erfolgten 20 h nach der Injektion am Morgen des OP-Tages:

sln_1 Plus Symbol Abb. 3 von vorne
sln_2 Plus Symbol Abb. 4 von der Seite rechts
Es stellen sich die Region um den voroperierten Primärtumor (1), der SLN oberhalb des Schlüsselbeines (2) und der SLN in der rechten Achselhöhle (3) dar.
 
Letzte Änderung: 17.08.2011, 14:13 Uhr
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